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Extrication
16 Feb 2018

Extrusion: Vorprogrammierte Knautschzonen und verstärkte Rahmenkonstruktionen

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Crashed CarEines der am meisten diskutierten Themen in der CTIF-Kommission "Befreiung und neue Technologien" über technische Hilfe und "Rettung von eingeklemmten Personen" ist nach wie vor die Wirkung von "vorprogrammierten Knautschzonen und verstärkten Rahmenkonstruktionen".

Oben: Video mit dem Aufprall eines alten und eines neueren Autos mit verschiedenen Sicherheitssystemen (Airbags, Gurtstraffer, Rahmenkonstruktion, ...)

Von: Tom Van Esbroeck & Kurt Vollmacher, CTIF Kommission für Rettung und neue Technologien

Erfahrene Feuerwehrkollegen erzählen hin und wieder Geschichten von zahlreichen Einsätzen bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen. Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor: "Zu unserer Zeit hatten wir jedes Wochenende einen Fall!

Heute gibt es zwar immer noch viele Unfälle, aber die Zahl der Unfälle, bei denen wir zur Rettung eingeklemmter Personen eingreifen müssen, ist deutlich zurückgegangen. In vielen Fällen kann die Tür eines Fahrzeugs leicht geöffnet werden, während die Front des Autos um einen halben Meter verkürzt ist.

Wenn die Insassen eingeklemmt sind, ist es für die Einsatzkräfte meist eine schwierige und komplexe Aufgabe, die eingeklemmten Opfer angemessen zu retten.

 

Impact Crashes Outside and Inside the vechiles

Links: Aufprall auf ein Fahrzeug außerhalb des Fahrzeugs.

Rechts: Aufprall im Inneren des Fahrzeugs.

 

Was hat sich im Vergleich zu früher geändert?

Bei unseren Diskussionen innerhalb der CTIF-Kommission "Befreiung und neue Technologien" über technische Hilfe und "Rettung eingeklemmter Personen" ist eines der meistdiskutierten Themen nach wie vor die Auswirkung von "vorprogrammierten Knautschzonen und verstärkten Rahmenkonstruktionen".

 

Source Weber

Zu einem Pfosten verarbeitetes Rohr Quelle Weber/ THV Level 1 A Kapitel 5

 

Neue Technologie

Viele Elemente, die wir in den modernen Fahrzeugen finden, wurden zuvor häufig als Forschungsprojekt im Motorsport, hauptsächlich in der Welt der Formel 1, eingesetzt.

Eines der wichtigsten Sicherheitssysteme ist heute zweifelsohne die "verstärkte Rahmenkonstruktion". Ursprünglich ging es in der Diskussion vor allem um einen starken Rahmen um den Beifahrer herum, der dem Beifahrer im Falle eines Aufpralls ausreichend physischen Raum bietet. Dies wurde weiter entwickelt zu einem starken Käfig weiterentwickelt, der sich nur minimal verformen kann und die maximale Sicherheit des Fahrgastes gewährleistet.

Eine weitere revolutionäre Technologie ist der Einbau von "vorprogrammierten Knautschzonen" in die Fahrzeuge. Durch die Verwendung verschiedener Stahlsorten für den Rahmen eines Monocoques wird die kinetische Energie, die bei einem Verkehrsunfall auf das Fahrzeug einwirkt, absorbiert und über die gesamte Konstruktion des Fahrzeugs abgeleitet.

Teile des Fahrzeugs, die sich absichtlich verformen müssen, werden aus einer Stahlsorte mit geringer Zugfestigkeit hergestellt, während Teile, die so weit wie möglich intakt bleiben müssen (wie die Rahmenkonstruktion und die seitliche Verstärkung), aus Stahl mit höherer Zugfestigkeit gefertigt werden. Mit anderen Worten: Der Konstrukteur bestimmt, welche Kräfte die Konstruktion maximal aufnehmen kann, wenn es zu einer "erwünschten" und einer "unerwünschten" Verformung kommt.

 

Volvo

Monocoque von Volvo mit unterschiedlichen Zugfestigkeiten. Quelle Volvo/ THV Stufe 1 A Kapitel 7

 

Was bedeutet das für uns in der Praxis?

Eine Reihe von Rettungstechniken, die bei älteren Modellen effizient angewendet werden, bieten bei neueren Fahrzeugen nicht mehr das gewünschte Ergebnis. Das Gegenteil ist der Fall: Neue Techniken bieten keine Lösung, wenn sie auf ältere Fahrzeuge angewendet werden. Diese Form der technischen Hilfeleistung erfordert aus der Sicht der Einsatzkräfte einen guten Überblick darüber, was getan werden kann und was nicht getan werden kann oder sollte.

Neben verschiedenen Stahlsorten werden in der Konstruktion auch andere, leichtere Materialien wie Aluminium und Kohlefaser verwendet, mit dem jeweils gewünschten Effekt. Eine andere Technik besteht in der Verwendung von Stahlrohren mit hoher Zugfestigkeit, die in die Pfosten des Fahrzeugs eingearbeitet werden, z. B. in die A- und B-Pfosten.

 

Dashboard lift and dashboard roll.  Source Holmatro/ THV Level 1 A Chapter 5

Anheben des Armaturenbretts und Rollen des Armaturenbretts. Quelle Holmatro/ THV Stufe 1 A Kapitel 5

Unter dem Armaturenbrett eines neueren Autos befindet sich eine eingebaute Stahlstrebe mit einer hohen Zugfestigkeit. Das Armaturenbrett wird nur mit ein paar Schrauben am Fahrgestell des Fahrzeugs befestigt. Indem wir die Stahlstrebe als Startpunkt für den Spreizer verwenden, wenden wir den "direkten Armaturenbrettlift" an.

Die Spreize wird wie in der Abbildung oben platziert, der Raum unter der Spreize wird blockiert, und das Armaturenbrett wird nach oben gespreizt, ohne dass weitere (Schnitt-)Maßnahmen durchgeführt werden müssen.

Achtung: Diese Art von Befestigungen kann das Anheben des Armaturenbretts verhindern!

 

Direct dashboard lift THV Level 1 A Chapter 6

Direktes Anheben des Armaturenbretts THV Stufe 1 A Kapitel 6

 

Einsatz von neuen Rettungsgeräten:

Neben den "normalen" Rettungsgeräten (Schere, Spreizer, Ramme, ...) werden regelmäßig "neue" Rettungsgeräte eingesetzt. Hier besprechen wir zwei "neue" Rettungsgeräte:

 

Foto unten rechts: Armaturenbrettbefestigung.

Dashboard fortification. THV Level 1 A Chapter 61. Pneumatischer Schlüsselsatz - Spanner-Technik

Diese Technik wurde von dem verstorbenen Gefreiten Mich Van Den Heuvel vom Posten Wuustwezel eingeführt. Der Vorteil dieser Technik besteht darin, dass sie autonom arbeiten kann und keine Funken entstehen. Der pneumatische Schlüsselsatz kann an die Mitteldruckleitung eines Pressluftatmers (6 bis 8 bar) angeschlossen werden. Er kann z. B. zum schnellen Lösen der Schrauben einer Tür, eines Kofferraumdeckels usw. verwendet werden.

 

Inhalt des Schlüsselsatzes:

Verschiedene Schlüssel:

  • Metrisch lang;
  • Metrisch kurz;
  • Sechskantschlüssel;
  • Torx innen;
  • Torx außen.

 

Verstärkung des Armaturenbretts. THV Stufe 1 A Kapitel 6

Pneumatischer Schlüsselsatz. THV Stufe 1 A Kapitel 2

 

 

2. Stichsäge und Sägeblätter für harte Stahlsorten

Die Technik:

Der Umgang mit den verschiedenen Sägeblatttypen erfordert etwas Übung und Training. Das zu sägende Material muss so nah wie möglich an den Werkzeugkopf herangeführt werden, um ein Umknicken des Sägeblatts zu verhindern. Während des Schneidens muss man immer eine Schutzbrille und eine Staubmaske tragen. Beim Sägen von Kohlefaser und Glas sollte man eine P3-Maske oder (noch besser) ein Atemschutzgerät tragen!

 

 

Reciprocating saw. THV Level 1 A Chapter 2Stichsäge. THV Stufe 1 A Kapitel 2

Manchmal wird kritisiert, dass die Säbelsäge zu viel Lärm macht, doch ein weiser THV-Ausbilder hat es anders formuliert! Zitat: "Niemand ist durch Lärm gestorben, aber einige sind gestorben, weil die Rettung zu lange dauerte!" Wir stellen fest, dass sich der Sanitäter bei dieser Arbeit durchaus die Ohren des Opfers zuhalten kann.

 

Warning BA

 

Deployment reciprocating saw. THV Level 1 A Chapter 2

Einsatz der Säbelsäge. THV Stufe 1 A Kapitel 2

 

Nach dem Unfall mit dem Plug-in-Hybrid in Dilsen-Stokkem hat die "CTIF-Kommission für Rettung und neue Technologien" gemeinsam mit allen beteiligten Dienststellen eine technische Untersuchung eingeleitet, um Lehren zu ziehen und die gewonnenen Erfahrungen in geänderte Verfahren, Schulungen und Ratschläge für die Konstrukteure umzusetzen.

 

Dilsen-Stokkem

Bild links: Der Unfall in Dilsen-Stokkem

Bild rechts: Sägeblätter speziell für harte Stahlsorten).

 

Quelle Weber/ THV Stufe 1 A Kapitel 2

15/05/17 - 05h00 © Marco Mariotti

Tom Van Esbroeck tom.vanesbroeck@brandweerzonecentrum.be

Kurt Vollmacher kurt.vollmacher@brandweerzonecentrum.be

CTIF Kommission für Extrusion und neue Technologien