Feuerwehrleute im Dauereinsatz bei Waldbränden: Personal und Budgets bis zum Äußersten beansprucht
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In diesem Jahr wurden 55.000 österreichische Feuerwehrleute zur Bekämpfung von rund 3.500 Wald- und Vegetationsbränden eingesetzt. Seit 2020 wurden über 20 Millionen Euro aus dem Budget der Feuerwehr in Spezialausrüstung investiert.
Die Feuerwehr fordert Mittel für die notwendige Ausrüstung und Ausbildung zur Bekämpfung von Waldbränden sowie zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Hubschraubern.
Extreme Wetterereignisse treten immer häufiger auf. Das bedeutet nicht unbedingt mehr, aber sicherlich intensivere Einsätze. Im Jahr 2026 kam es ab dem Frühjahr zu einer Welle extrem anspruchsvoller Waldbrandeinsätze, von denen alle deutschen Bundesländer betroffen waren.
„Waldbrände haben in der Regel direkte Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Heftige Brände gefährden Menschen und Siedlungen, beeinträchtigen die wichtige Schutzfunktion der Wälder, führen zu erhöhter Erosion und verursachen stetig steigende Kosten für die Brandbekämpfung sowie für notwendige Maßnahmen nach dem Ereignis“, heißt es im Aktionsprogramm „Wildfire Hotspot“, das gemeinsam mit Experten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen entwickelt und 2022 vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft veröffentlicht wurde.
Bildnachweis: Matias Seyfert
Titelbild oben: Von links nach rechts: LBD Jakob Unterladstätter, LBD Reinhard Leichtfried, LBD Dietmar Fahrafellner, FPräs Robert Mayer
Österreichweite Herausforderungen trotz regionaler Unterschiede
Die Brandbekämpfung in Österreich fällt in die Zuständigkeit der neun Bundesländer und unterliegt daher dem Landesrecht. Waldbrände fallen jedoch in die Zuständigkeit des Bundes. Zur Bekämpfung von Waldbränden nutzt der Bund das System der Landes- und Gemeindefeuerwehren.
Aufgrund der unterschiedlichen Topografie ergeben sich je nach Region unterschiedliche Herausforderungen. Die schwierige Erreichbarkeit in steilem, unwegsamem hochalpinem und voralpinem Gelände – oft in Waldschutz- und Quellschutzgebieten – stellt hohe Anforderungen an die Einsatzkräfte, während an anderen Orten Blindgänger eine zusätzliche Gefahr darstellen. Wälder sind Erholungsräume und Lebensräume für Mensch und Tier und spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Klimas. Als „grüne Lunge“ unseres Planeten sind wir auf eine artenreiche Vegetation angewiesen, weshalb neben der Brandbekämpfung auch der Schutz und die Bewirtschaftung der Wälder für die Zukunft von entscheidender Bedeutung sind.
Diese kräftezehrenden Einsätze in ganz Österreich haben folgende Gemeinsamkeiten:
- Der rasche Einsatz von Hubschraubern ist durchweg entscheidend für den Einsatz. Je schneller das Feuer aus der Luft bekämpft werden kann, desto schneller lässt es sich unter Kontrolle bringen.
- Das gleichzeitige Auftreten mehrerer Einsätze und die Notwendigkeit, Reserven aufrechtzuerhalten, erschweren die Ressourcenverteilung. Auch wenn Österreich über ein umfassendes und nahtloses Feuerwehrsystem verfügt, erfordern Spezialisierungen eine gesonderte Betrachtung. Der Einsatz der erforderlichen Spezialfahrzeuge und Hubschrauber, der erhöhte Ausbildungsbedarf der Einsatzkräfte sowie die Tatsache, dass die Einsatzbereitschaft in jeder Gemeinde jederzeit aufrechterhalten werden muss, können zu Engpässen führen.
- Leicht verletzte Feuerwehrleute sowie Sachschäden an Fahrzeugen und Ausrüstung verursachen zusätzliche persönliche, psychische, körperliche und finanzielle Belastungen.
- Ereignisse in der Nähe von Siedlungen stellen eine unmittelbare Bedrohung für den Lebensraum der Bevölkerung dar, zusätzlich zu der Gefahr für Tiere, die bei jedem Waldbrand einem hohen Risiko ausgesetzt sind.
- Die anhaltende Dürre erschwert die Wasserversorgung im gesamten Gebiet.
Feuerwehrpräsident Robert Mayer: „Seit Jahren konzentrieren sich die Feuerwehren in Österreich stark auf die Bewältigung von Naturkatastrophen, wobei Waldbrände in diesem Jahr eindeutig im Mittelpunkt stehen. Es ist höchste Zeit, diese Herausforderungen auf nationaler Ebene anzugehen und sie mit ausreichenden finanziellen Mitteln und Infrastruktur abzusichern. Über 260.000 Feuerwehrleute, die meisten davon Freiwillige, leisten hervorragende Arbeit, sind rund um die Uhr einsatzbereit, bilden sich kontinuierlich weiter, üben so oft wie möglich und überlegen, wie wir unseren Mitbürgern auch in Zukunft helfen können. Dies erfordert jedoch einen Rahmen, ohne den unser Feuerwehrsystem langfristig in seiner jetzigen Form nicht mehr funktionieren wird. Im Falle von Waldbränden liegt die Verantwortung unserer Meinung nach eindeutig beim Bund. Jetzt ist es an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen. Und zwar schnell.“
Beispiele aus dem Jahr 2026
- Lesachtal, Kärnten: 24 Einsatztage mit rund 2.000 Feuerwehrleuten, etwa 110 Hektar betroffene Fläche
- Eisbach-Rein, Steiermark: 17 Einsatztage mit rund 2.500 Feuerwehrleuten, rund 70 Hektar betroffene Fläche
- Föhrenwald/St. Egyden, Niederösterreich: 2 Großbrände an 18 Einsatztagen, zeitweise 800 Feuerwehrleute gleichzeitig im Einsatz, rund 159 Hektar betroffen
- Wildermieming und Virgen, Tirol: mehrtägiger Einsatz mit rund 900 Feuerwehrleuten, rund 10 Hektar betroffene Fläche
- Lobau, Wien: 100 Einsatzkräfte der Wiener Berufsfeuerwehr sowie zusätzliche Kräfte der Landesfeuerwehren von Wien und Niederösterreich, rund 18 Hektar betroffen
Der Tiroler Landesbrandmeister Jakob Unterladstätter: „Die Waldbrände in Virgen und Wildermieming haben eindrucksvoll gezeigt, welche besonderen Herausforderungen die alpine Topografie für unsere Feuerwehren mit sich bringt. Entscheidend für den Erfolg ist das Zusammenspiel zwischen den Einsatzkräften am Boden und der Luftunterstützung durch schnell verfügbare Hubschrauber. Gleichzeitig hat sich erneut bewährt, dass Fachpersonal, Know-how und Ausrüstung schnell über Bezirks- und Landesgrenzen hinweg dort eingesetzt werden können, wo sie gebraucht werden. Diese jüngsten Einsätze zeigen jedoch auch, dass wir weiterhin konsequent in Spezialausrüstung und Ausbildung für unsere Feuerwehrleute investieren müssen. Nur so können wir auch in Zukunft einen sicheren und effektiven Einsatz bei solchen Notfällen gewährleisten.“
Landesbrandmeister Reinhard Leichtfried (Steiermark): „Der Waldbrand am Mühlbachkogel war mit 17 Einsatztagen und insgesamt mehr als 2.500 eingesetzten Feuerwehrleuten ein außergewöhnlich anspruchsvoller Einsatz. Steiles und schwer zugängliches Gelände, die dynamische Ausbreitung des Feuers und vor allem die langwierige Löschung zahlreicher Glutnester forderten unseren Rettungsdienst enorm. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig eine fundierte Ausbildung, geeignete Ausrüstung und das koordinierte Zusammenwirken aller eingesetzten Kräfte sind. Die in Eisbach-Rein gewonnenen Erfahrungen sind daher eine wichtige Grundlage für uns, um uns noch effektiver auf künftige Vegetationsbrände vorzubereiten.“
Die Feuerwehr investierte über 20 Millionen Euro.
Die zunehmend intensive Bekämpfung von Waldbränden erfordert seit 2020 ein gemeinsames Vorgehen der Landesfeuerwehrverbände. In den vergangenen sechs Jahren wurden mehr als 20 Millionen Euro aus dem Feuerwehrhaushalt, unterstützt durch den Forstfonds, investiert. Zu den wichtigsten Investitionsbereichen aller Bundesländer zählen Geländewagen, Spezialausrüstung wie Behälter, Rucksäcke, Faltbehälter, Schanzwerkzeuge sowie leichtere Schutzkleidung und Helme sowie Wassertanks für Hubschrauber. Auch der Ausbau der Feuerwachen und der Luftfeuerwehr, die Bereitstellung von Treibstoff für Flugzeuge sowie die Ausbildungsinfrastruktur an den Landesfeuerwehrschulen haben finanzielle Mittel erfordert.
Landesfeuerwehrchef Dietmar Fahrafellner ( Niederösterreich): „Die Auswirkungen des Klimawandels treffen uns Feuerwehren mittlerweile in vielen Einsatzbereichen hart. Wald- und Vegetationsbrände werden immer intensiver und stellen uns aufgrund von Trockenheit, Hitze und schwierigen Einsatzbedingungen vor neue Herausforderungen. Darauf müssen wir uns mit entsprechender Ausbildung, Taktik und moderner Spezialausrüstung vorbereiten. Unsere Feuerwehrleute leisten diesen Dienst ehrenamtlich und unentgeltlich und sparen der öffentlichen Hand damit enorme Kosten. Umso wichtiger ist es, sie mit der bestmöglichen Ausrüstung für ihre Einsätze auszustatten. In Niederösterreich haben wir in den letzten Jahren stark in diesen Bereich investiert. Solche spezialisierte und teure Ausrüstung kann jedoch nicht allein von den Gemeinden finanziert werden. Eine verlässliche Unterstützung durch den Bund wird auch weiterhin notwendig sein, damit wir mit den sich ändernden Einsatzszenarien Schritt halten und die Sicherheit unserer Einsatzkräfte gewährleisten können.“
Die Feuerwehr ist gut vorbereitet, aber…
Obwohl das Feuerwehrwesen in Österreich aufgrund der hohen Dichte an Feuerwehren, der großen Zahl aktiver Mitglieder und der vorausschauenden Vorbereitung auf eine Vielzahl von Herausforderungen gut gerüstet ist, erfordert eine professionelle Zukunftsplanung Anpassungen und die Aufmerksamkeit der öffentlichen Hand.
Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband, der als Dachverband alle neun Landesfeuerwehrverbände sowie die sechs Gemeinden mit Berufsfeuerwehren vertritt, fordert daher im Sinne eines landesweiten Ansatzes:
- Finanzierung der notwendigen Ausrüstung und Ausbildung für die Waldbrandbekämpfung
Die Finanzierung und Instandhaltung der notwendigen Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung ist nicht alleinige kommunale Aufgabe und kann aufgrund des deutlich gestiegenen Bedarfs nicht mehr aus den Budgets der Feuerwehren, Gemeinden und Bundesländer gedeckt werden. Es liegt in der Verantwortung des Bundes, die Finanzierung der Waldbrandbekämpfung sicherzustellen. Dazu gehören Spezialfahrzeuge und -ausrüstung, persönliche Schutzausrüstung sowie die für diese besondere Herausforderung erforderlichen Schulungen.
Darüber hinaus bleiben die seit langem bestehenden Forderungen an das Finanzministerium bestehen:
Anpassung der Sonderinvestitionsprämie und der Kostensätze
Seit 2022 erhält die österreichische Feuerwehr jährlich 20 Millionen Euro an Fördermitteln für „Sonderinvestitionen“. Dieser Betrag wurde seitdem nicht an die Inflation angepasst. Auch die in der Pauschaltarifverordnung festgelegten Kostensätze bedürfen einer Neubewertung.
Lohnfortzahlung für Selbstständige und Landwirte
Eine vom Nationalrat im Jahr 2019 verabschiedete Lohnfortzahlung ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen Ausgleichszahlungen an bestimmte Unternehmen. Diese Zahlung kann jedoch nur in Anspruch genommen werden, wenn der Einsatzkraft ein Angestellter ist. Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband fordert seit Einführung dieser Regelung deren Ausweitung auf Selbstständige und Landwirte sowie ein weniger bürokratisches Antragsverfahren.
- Sicherstellung der Hubschrauberverfügbarkeit – sowohl öffentlich als auch privat
Die flächendeckende, dauerhafte Verfügbarkeit von Hubschraubern des Innenministeriums und des österreichischen Bundesheeres sowie die Finanzierung privater Hubschrauber muss dringend geklärt und gesichert werden. Eine unsichere Situation und die fehlende garantierte Verfügbarkeit von Hochleistungshubschraubern in Österreich, gepaart mit Sparmaßnahmen bei Ausbildungsmaßnahmen und der Notwendigkeit, in zusätzliche Ausrüstung (z. B. Wassertanks) zu investieren, dürfen nicht weiter bestehen bleiben.
Den Livestream und Fotos zu den Waldbränden in Österreich finden Sie unter: https://events.streaming.at/waldbrandsaison-20260923
Für weitere Informationen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Rieger, MA
Feuerwehrchef
Leiter der Kommunikationsabteilung des ÖBFV
Leiter der Abteilung 1.3 – Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung
Leiter des ÖBFV-Kompetenzzentrums für Kommunikation
Geschäftsführer der ÖBFV Medien GmbH

Bildnachweis: Matias Seyfert
Foto oben: Von links nach rechts: LBD Dietmar Fahrafellner, FV-Präsident Günter Trinker, LBD Jakob Unterladstätter, LBD Reinhard Leichtfried, F-Präsident Robert Mayer, FV-Präsident Mario Rauch, LBD Franz Kropf, LBD Herbert Österle